Gemeinde Faulbach Gemeinde Faulbach
HaJo
Ansicht aus dem Jahre 19xx
Hallenbad.png

Hajo

Drei Wochen vor dem Ostersonntag wird im Ortsteil Faulbach traditionell der „Hajo“ ausgetragen. Für die Jugend ein Freudentag, für die Alten ein Tag schöner Erinnerung. Über die Entstehung erzählt man sich im Dorf:

Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, 1632/34, wütete auch in Faulbach die Pest. Sie raffte fast alle Einwohner hinweg. Nach einer Darstellung seien nur die Leute von vier, nach einer anderen die Leute von sieben Gehöften übrig geblieben. Die Namen der Überlebenden seien gewesen: Wolf, Hörnig, Dümig und Fleckenstein; Namen, die heute noch im Dorf häufig sind. Damit die schreckliche Krankheit aufhöre, versprachen die Überlebenden eine Wallfahrt nach Dettelbach, wobei jedesmal einer der Wallfahrer als Opfer sterben sollte. Da aus jedem Hause eine Person verpflichtet war daran teilzunehmen, stellte sich einst ein Mädchen, das mitgehen sollte, krank, um nicht das Opfer zu werden. Bei der Wallfahrt starb aber diesmal niemand. Doch als die Leute zurückkamen, war das Mädchen tot. An Stelle der wirklichen Menschen opferte man nun fortan eine Wachspuppe, aus der dann später die Strohpuppe geworden sein soll.

Allgemein führt man den Brauch des Todaustragens auf die Pestzeit zurück. Der „Totemann“ und die „Totefrau“ wurden durch das Dorf getragen und früher in den Main geworfen. Da aber die Strohpuppen wiederholt als wirkliche Leichen angesehen wurden, wurde dieser Brauch verboten und seitdem werden die Puppen verbrannt.

Jedoch dürfte diese Sitte noch älter sein: Der Winter ist jetzt im Frühjahr ein toter Mann und wird mit dem letzten Schnee aus dem Dorf und seiner Flur hinausgetragen. Heute noch wird dabei das Lied vom „Sommertag“ gesungen, Wobei mit keiner Silbe auf die Pest Bezug genommen wird:

Hajo, Summerdooch!
De Winter is en schlimmer Moo,
hot e recht Poor Stiffel o!
Hajo, Summerdooch!

    Ursprünglich sang man noch dazu:

Heut in drei Wuche
backe die Bauern Kuche!

    Diese Worte deuteten die baldigen Ostertage an. ln Anspielung an das Nachbardorf Breitenbrunn sang man noch:

 Aus dem Bratebrünner Hertehaus (Hirtenhaus)
hange die Lumpe minanner raus!
Hajo, Summerdooch!

Das Dorf wurde durch den Bach gleichen Namens einst in zwei Hälften geteilt, so daß es früher zwei selbständige Dörfer waren. Rechts des Baches „Frischbach“, links das eigentliche „Faulbach“, auch „Oberdorf“ oder „Neudorf“ geheißen. Der Bach bildete ja durch Jahrhunderte die Grenze zwischen den Bistümern Mainz und Würzburg. Unter Bischof Julius Echter sollen beide Dörfer im Wege eines Gebietsaustausches zu einem Dorf vereinigt worden sein. Damit will man erklären, warum man heute noch zwei Puppen durch das Dorf trägt.

 

lm Dorfteil Frischbach wird heute noch die „Hajofroo“, „Totefroo“, und in Faulbach der „Hajomoo“, „Totemoo“, gefertigt. Früher zog die Jugend nach Beendigung des sonntäglichen Frühgottesdienstes durch ihren Dorfteil mit dem Ruf: „Hose raus! Strümpf raus! Schuh raus!“ usw. Nachdem alle notwendigen Kleidungsstücke gesammelt waren, begab man sich in ein bestimmtes Haus, wo dann die Puppe gefertigt wurde. Heute entfällt der Umzug und das Rufen. Die Kleidungsstücke, die benötigt werden, werden von Leuten vorher gestiftet.

 

Der Zeiger der Dorfuhr rückt nahe an die Mittagsstunde heran. Die Jugend des jeweiligen Dorfteils versammelt sich bei ihrer Puppe, die lebensgroß auf eine Stange gesteckt ist. Sobald die Mittagsglocke ertönt, betet die Jugend an einem Bildstock laut den „Engel des Herrn“. Mittlerweile zeigt sich Leben auf der Dorfstraße, denn alles ist jetzt auf den Beinen. Nach Beendigung des Gebetes nimmt einer der Oberklassbuben die Puppe und es geht im Zuge durch den Dorfteil zur Brücke in der Dorfmitte, wo sich die Puppen treffen. Dabei wird das Hajolied gesungen. Die „Totefroo“ aus Frischbach hat den kürzeren Anmarschweg von der Speckspitze her. Sie erwartet den „Totemoo“, der vom Dorfausgang beim Friedhof bis zur Brücke getragen werden muß. Auch hier wird das „Sommertagslied“ gesungen. Es ist zwar der wirkliche Grund nicht mehr feststellbar, doch soll diese Puppe vom Ausgangsort bis zur Kirche nicht abgestellt werden. Zum Zeichen der Begrüßung werden beide Puppen bei ihrem Zusammentreffen an der Brücke zusammengestoßen und dann geht es gemeinsam durch Frischbach bis zum „Totengässchen“. Dort stehen schon erwachsene Burschen bereit, nehmen die Puppen in Empfang und eilen mit ihnen das Totengässchen hinab an den Main. Dort werden sie aneinandergestellt und verbrannt. Früher zog die ganze Jugend mit an die Verbrennungsstelle. Auf ein Zeichen hin eilten alle wieder in das Dorf zurück. Wer zuletzt ankam, war ein ganzes Jahr lang der „Trummelvater“, bzw. die „Trummelsmutter“. Heute zieht die Jugend sofort nach der Abgabe der Puppen an schon bestimmte Häuser, um dort Gaben zu sammeln. Neben Äpfeln, Nüssen und Hutzeln waren es besonders die „Hajo-weckli“, die der Jugend zugeworfen wurden. Diese Weckchen waren von allen sehr begehrt, sollen sie doch im kommenden Jahr vor Halskrankheiten schützen. Heute werden meist Bonbons und erfreulicherweise immer noch Hajo-weckli aus den Häusern geworfen. Das gibt ein lustiges Gedränge, bis schließlich die mitgebrachten Taschen und Säckchen gefüllt sind. Die Begeisterung der Jugend und die Anteilnahme der ganzen Bevölkerung sorgen dafür, daß dieser schöne Brauch nicht in Vergessenheit gerät.

 

Dieser Brauch war einst von einem Pfarrer auf der Faulbacher Seite verboten worden. Für Frischbach galt dies jedoch nicht. Bald danach sollen sich ansteckende Krankheiten in diesem Dorfteil eingestellt haben. Aus diesem Grunde trug man auch in diesem Jahr noch den Hajo hinaus, obwohl es schon Sommer war. Nachdem dies geschehen war, hätte die Krankheit wieder aufgehört, erzählt man. Seit dieser Zeit ließ man diesen Brauch niemals mehr ausfallen, auch nicht in Kriegszeiten. In diesem Brauch wird jedenfalls der Winter verstanden, den man austreiben und vernichten will. Vollständig wäre der Brauch aber dann, wenn damit auch das „Sommereinholen“ verbunden wäre und man diesen Sommer auch darstellen würde. Dies ist in Breitenbrunn noch Brauch. Dort ziehen die Kinder, nachdem sie den Hajo verbrannt haben, mit einem blumengeschmückten Baum zu den Häusern, beschenken die Menschen mit Blumen und erhalten dafür Gaben.

Bilder vom Hajo 2014

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